
Nach wochenlanger Abstinenz, da mein privater PC den Geist aufgegeben hatte, schaffe ich es endlich, mich wieder mal zu melden.
Ihr habt mir alle furchtbar gefehlt, und es geht mir furchtbar elend. Kennt Ihr das Gefühl, wenn man glaubt, alles und jeder hat sich gegen euch verschworen, und alles, was man angreift, geht schief? Genauso gehts mir grad. Meine finanzielle Situation wird immer prekärer; ich seh schön langsam keinen Ausweg mehr. Einige lukrative Aufträge, die mir angekündigt wurden, sind bis dato nicht eingegangen (und kommen wahrscheinlich auch nimmer), Fixkosten steigen, Rechnungen müssen bezahlt werden, und, und, und ...
Diskussionen mit meinem Mann darüber enden regelmäßig im Streit, weil keiner auf etwas verzichten will; heute hat er mir z.B. vorgeworfen, ich bin die, die das Geld rausschmeißt, weil ich mir einen Blumenstock für den Garten um ganze 6,00 Euro geleistet habe. Dass er täglich (!) 10,00 Euro mit seinen Tschick in die Luft bläst, kratzt ihn nicht. Das ist ja etwas anderes ...
Heute war ich auf der Bank Geld abheben, weil ich einfach für's Wochenende ein paar notwendige Sachen einkaufen musste. Es ist so erniedrigend, wenn du am Schalter stehst, einen (gar nicht soo großen) Betrag haben willst, und die Beamtin zieht ein bedeutendes Gesicht, tippt in ihrem Computer herum, ruft dann den Geschäftsführer an, geht zu ihm ins Büro, kommt nach ein paar Minuten mit verächtlichem Blick wieder und gibt dir gnadenhalber deine paar Kröten.
Täglich werden in Österreich Millionen, Milliarden verschleudert, verschwendet was auch immer, aber als kleine Privatperson, die halt eine finanzielle Durststrecke hat, weil die Zinsen gestiegen sind, das Auto repariert werden muss, etc. was auch immer, wird behandelt wie der letzte Dreck.
Dabei haben wir beide Arbeit und ein geregeltes Einkommen, sodass wir immer irgendwie über die Runden kommen. Das ist so erniedrigend und deprimierend, und ich nehme mir das so zu Herzen und fühle mich einfach als Versagerin.
Das Problem liegt darin, dass wir uns mit einem Hauskauf ziemlich verschuldet haben, obwohl wir es uns eigentlich gar nicht leisten können. Es bleibt für die "schönen Dinge" des Lebens einfach nichts mehr übrig. Von Urlaub können wir sowieso nur träumen, aber ich kann mir nicht einmal mehr eine CD für mich, eine etwas teurere Kosmetik oder ein Kleidungsstück, das nicht vom Billigst-Diskonter ist kaufen. Das ist ja auch nicht das Wichtigste auf der Welt, aber wenn diese finanzielle Misere dein ganzes Denken, dein ganzes Leben, deine Partnerschaft und deine Familie belastet, dann wird's mühsam.
Ich würde am liebsten das Haus verkaufen, da mir nicht soo wahnsinnig viel dran liegt, aber mein Mann sagt immer, dann bringt er sich um. Für ihn wäre das der größte Gesichtsverlust, wenn sich er als einziger seiner Familie kein Haus leisten könnte. Dann stünde er als der totale Versager da. Ich wäre aber in einer schönen Wohnung, ohne diese großen finanziellen Sorgen, weit glücklicher. Dieses Haus bedeutet für mich mittlerweile nur eine Belastung, in jeder Hinsicht. Es ist für uns drei Personen viel zu groß, der riesige Garten bedeutet sehr viel Arbeit, und außerdem ist es an allen Ecken und Enden renovierungsbedürftig. Diese Renovierungen können wir uns aber auch nicht leisten, damit sind wir auch wieder nicht ganz glücklich, weil es eben nicht so ist, wie wir uns das vorstellen, und das Karussel dreht sich munter weiter.
Schlechte Stimmung, Unzufriedenheit, Frust - ich sehe da momentan keinen Ausweg.
Nur warten, dass es besser wird? Das hat noch keinem geholfen. Ich versuch ja, Aufträge aufzureißen und meine Bilder an den Mann (Frau) zu bringen, aber je mehr man es mit Gewalt versucht, desto schlimmer wirds.
So, auf jeden Fall ist der ganze Frust jetzt wieder mal heraussen, allein das ist schon ein bisschen erleichternd. Ich werd über's Wochenende einfach versuchen, Kraft zu sammeln und diese ganzen Demütigungen zu verdrängen. Ich bin gesund, ich bin stark und ich weiß, was ich kann!